Klettern statt Yoga oder Schubladen Ü30

Wenn man die frühen 20er und die mittleren 20er hinter sich gelassen hat, irgendwann sein/e Studium/Studien beendet und zu dem Teil der Bevölkerung gehört, der einem konventionellen Vollzeitjob nachgeht, bemerkt man, dass das ungleich viele Schreibtischsitzen dem Körper nicht besonders gut tut. Daraus entstehen für die einen mehr, für die anderen weniger Probleme und wenn man das Internet befragt, erntet man meist den Rat: mach‘ doch endlich Yoga!

Das ist ja auch ein ganz wunderbarer Rat, wenn man denn ein Yogi ist. Oder sein kann. Oder mag. Ich gehöre nicht zu dieser Spezies und Yoga gehört zu den Dingen, die in mir ein erstaunliches Aggressionspotenzial freisetzen. Vielleicht wäre das gesund und richtig und würde mich eines Tages auf den Pfad der Erleuchtung bringen – bisher hatte ich jedoch nicht die Geduld, diese Phase auszusitzen. Was aber gibt es für Alternativen? Scheinbar erstmal keine. Doch das stimmt nicht ganz.

Es gibt Menschen wie mich, die beim Sport ein Ziel brauchen. Und ein Ziel ist nicht, ein Figurenprogramm zu absolvieren oder eine beliebige Anzahl an Wiederholungen derselben Übung zu schaffen. Wenn dir das bekannt vorkommt, dann lass dir sagen: du bist nicht allein!

Und für all diese Menschen, die ihren Rücken stärken wollen oder müssen, gibt es eine Alternative und die nennt sich: klettern.

Dieser Sport ist seit einigen Jahren auch alles andere als ein Geheimtipp, wird aber wesentlich weniger mit der Verbesserung von Rückenproblemen in Zusammenhang gebracht als Yoga, Kieser Training, gezielte Kraftaufbauübungen im Fitnesscenter und anderes, das doch vielen Menschen nicht soviel Spaß macht.

Ich möchte die positive und vor allem auch spirituelle UND sportliche Komponente von Yoga keinesfalls schmälern. Ich habe nur die Erfahrung gemacht, dass es kein Heilmittel für jeden ist und es Menschen gibt, die sich damit nicht wohlfühlen. Klettern ist hingegen für mich eine richtige Alternative zum Ballsport geworden, dem früher meine ganze Leidenschaft gehörte, der aber aufgrund der Rahmenbedingungen nicht ganz so leicht umsetzbar ist (und definitiv alles andere als rückenfreundlich).

Sportklettern erfordert Konzentration, baut Muskulatur auf und fordert den Organismus als ganzen heraus. Es bedarf Überwindung, man muss lernen, sich auf andere und Technik zu verlassen, man stürzt, man scheitert und man wird besser. Klettern lehrt mich wieder, dass es Dinge gibt, die meine volle Aufmerksamkeit erfordern. Es erinnert mich daran, wie es ist, sich über eine gewisse Zeitspanne nur auf eine Sache zu konzentrieren. Beim Klettern gibt es kein Instagram und kein Facebook und kein Whatsapp. Man kommt oft an die eigenen Grenzen und lernt, gelegentlich darüber hinauszugehen. Man bekommt mehr Selbstvertrauen.

Ich bin kein Yogi, ich bin aber auch kein Bergfex. Und das ist egal. Menschen denken gerne in Schubladen und fühlen sie sich einer Schublade nicht zugehörig, setzen sie sich selbst Limitationen. Ich habe schon von vielen Bekannten und Freunden gehört, dass sie Hemmungen haben, es auszuprobieren, weil sie nicht so kräftig oder drahtig sind. Solltet ihr dazu gehören: habt das nicht. Mit 30 ist man noch lange nicht zu alt, einen neuen Sport zu beginnen. Es macht Spaß. Es entfacht Ehrgeiz. und es fühlt sich ein bisschen an, wie wieder Kind sein, als man Wochenenden auf Bäumen verbrachte.

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16 thoughts on “Klettern statt Yoga oder Schubladen Ü30

  1. Bee

    Ja, erst mal alles ausprobieren. Das finde ich richtig. Es gibt für fast jeden eine passende Sportart. Ich kenne dein Klettern nicht wirklich, aber du meinst schon richtig am Berg? Da braucht man wirklich alle Konzentration und ist dann voll fokussiert. Wie gesagt, ich kenne es nicht. Habe aber lange Zeit Kraftsport an Geräten gemacht. Auch dabei war ich ganz und gar bei der Sache 🙂 Ich bin gerade dabei mir einen Fitnessraum einzurichten und freue mich, wenn ich wieder loslegen darf. Sport ist enorm wichtig, so finde ich. Auch im Hinblick auf ein gutes Körpergefühl und eine gute Körperhaltung, wer Sport macht, legt meist auch Wert auf eine gute Ernährung. Das finde ich sehr positiv.

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    • Fräulein Freud

      liebe bee, nein, ich meine in der halle. am berg war ich bisher noch nicht und ob das was für mich sein wird weiß ich ehrlich gesagt nicht, aber kommt frühling, kommt outdoor 🙂 aber man hält auch in der halle das leben des anderen in den händen und lernt damit auch wieder, sich auf etwas zu fokussieren und spürt sehr unmittelbar verantwortung, die man trägt.

      ich finde es toll, dass du auch einen sport gefunden hast, der für dich passt. es ist total wichtig, dass da nicht nur die vernunft mitspielt.

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  2. Ruhrköpfe

    Hallo Fräulein Freud, ein schöner Blog, danke für die Einladung 🙂
    Klettern, Yoga, Laufen, das macht doch alles Spaß und dem Körper tut die Abwechslung auch gut 😉 Liebe Grüße, Annette (die auch über einen Zweiblog nachdenkt 😉 )

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  3. Melanie

    Schöner Text, absolut wahr. Ich kann „Allheilmittel“ nicht ausstehen und finde es sehr schade, dass mich ausgerechnet die Leute, die mir Yoga als Allheilmittel verkaufen wollten, am Ende davon abhielten, schon viel früher mit Yoga zu beginnen (falsche Lehrer, falsche Leute; habe lange gebraucht, „meinen“ Yogastil zu finden, mit dem ich mich wohl fühle und in dem ich völlig aufgehe).

    Ich kann nun für mich sagen: Ich liebe Beides! Beim Yoga bin ich inzwischen seit ca 3 Jahren hängengeblieben und beim Klettern so etwas mehr als ein halbes Jahr, so richtig seit Herbst letzten Jahres, als mein Freund und ich unseren ersten Kletterkurs machten. Yoga + Klettern ergänzt sich für mich persönlich super und ich bin sehr dankbar dafür. Doch würde ich das nie anderen Leuten als Allheilmittel/Allheilkombination verkaufen, weil, wie Du sagst, jeder ist anders und was für den einen funktioniert, kann für den anderen absolut falsch sein.

    „Es entfacht Ehrgeiz. und es fühlt sich ein bisschen an, wie wieder Kind sein, als man Wochenenden auf Bäumen verbrachte.“ Dem kann ich absolut zustimmen ❤

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    • Fräulein Freud

      achje, das ist ja wirklich ärgerlich! und ich muss yoga natürlich zugestehen, dass man da auch nicht alles über einen kamm scheren darf, weil es soviele verschiedene varianten gibt, dass für mich möglicherweise auch was dabei ist, das ich bloß noch nicht kenne. aber auf diese heiligsprechung von dingen und dieses „das ist genau das richtige für dich“ – auf das bin ich schon von grund auf allergisch.

      aber supercool, dass du auch kletterst!! in welchem grad bist du denn so unterwegs?

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  4. Nila

    Huhuuu *winks*
    Meine Devise ist ja -> Hauptsache man bewegt sich. Und jeder findet irgendwas, das einem bzw. dem Körper zumindest gut tut.
    Lol, ich bin ja von Natur aus eine unheimliche Neugirdsnase. Darum probiere ich auch mit Mitte 40 die verschiedensten Dinge aus. Yoga war ganz ok. Klettern dafür die Hölle für mich. Wegen der Höhenangst.
    Ihr habt in Wien lt. meiner Nichte eine super Yogaschule
    Letztes Monat war ich Thai-Boxen-> hui, das war was. Und vor einem Monat bin ich mit einer Kollegin Rugby-Spielen gegangen -> NIe wieder 😉
    Jetzt bleib ich mal beim Fitnesstudio. Einfach, weil das meinem Rücken am besten tut. Und zusätzlich jeden Tag meine Hunderunde.
    Viel Spaß bei Klettern!

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    • Fräulein Freud

      ja mit höhenangst ist klettern nicht der richtige sport 🙂 das habe ich zum glück eigentlich nicht, obwohl ich schon sagen muss, 15m hoch in der luft zu baumeln oder besser noch: abzurutschen und durch die luft zu segeln, ist auch für mich eine ziemliche herausforderung. aber an denen wächst man ja bekanntlich 🙂

      ich denke auch, dass es einfach wichtig ist, dass jeder etwas findet, das zu ihm passt.

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