#frauenkram: 8. März: Mein Beitrag zum internationalen Frauentag

Am 8. März ist der internationale Frauentag. Ich gestehe, dass ich das nicht wusste – bis Facebook mich darauf aufmerksam gemacht hat und mir eine liebe Freundin einen schönen internationalen Frauentag gewunschen hat.

Ich persönlich halte ja nicht soviel von diesen kollektiv begangenen internationalen Tagen des XY. Valentinstag, Muttertag, Tierschutztag, Toilettentag, Frauentag, etc. pp. Nicht, weil ich es per se schlecht finde, dass es solche Tage gibt, sondern weil sie in meinen Augen wenig bringen außer im besten Fall Einnahmen für Unternehmen, die daraus Kapital schlagen. Jeder Tag ist internationaler Tag für dieses und jenes und wir werden medial davon überschwemmt, was wiederum dazu beiträgt, die Aufmerksamkeitsspanne weiter zu reduzieren. Heute reden wir über Frauen, am 4. Oktober reden wir über Tiere, am 14. Februar reden wir über die Liebe und an jedem anderen Tag reden wir über irgendein anderes Thema. Das Thema des Vortages haben wir dabei schon wieder vergessen.

Vielleicht wäre es sinnvoll, sich auf gewisse Dinge mehr zu fokussieren als auf andere, damit sie nicht beim nächsten Wimpernschlag in einer Flut neuer Informationen untergehen. Was bedeutet ein „internationaler Frauentag“? Was bedeutet er, wenn viele Frauen eigentlich nicht einmal wissen, dass es ihn gibt?

Im Großen und Ganzen kann man glaube ich sagen, dass in Österreich, Deutschland, Nord- und Mitteleuropa im Bereich der Frauenrechte seit Beginn des 1. internationalen Frauentags am 8. März 1910 Vieles erreicht wurde. Wenn man die Rolle und die Rechte der Frau mit denen von vor 117 Jahren gegenüberstellt, ist kaum mehr etwas wie es war. Dennoch sind Gender Studies, Gleichstellung der Geschlechter, Feminismus usw. ein großes Thema. Es ist aber gleichzeitig ein schwieriges Thema, das mit vielen Vorurteilen und Assoziationen behaftet ist und deswegen von vielen Männern, aber auch von vielen Frauen von vornherein abgelehnt wird.

Darum bin ich der Meinung, dass die Frauenbewegung oder der Feminismus oder welches Wort auch immer man benützt, um dieses Themengebiet zu umschreiben (ich entschuldige für mich für meine wissenschaftliche Un-Präzision), dringend ein neues Image benötigt, denn ihre/seine grundlegende Intention ist eine gute!

Der Diskurs müsste dringend seine Opferrolle abschütteln und sich stattdessen in eine positive und aktive Kommunikation wandeln. Wir Frauen sind heute nicht mehr das Opfer der Männer, wir müssen es nicht sein, wenn wir uns nicht in diese Rolle drängen lassen. Auch Männerfeindlichkeit ist keine Lösung. In einer sinnvollen Gleichberechtigung profitieren beide Geschlechter (und alle anderen) von der veränderten Situation, dafür muss man aber Menschen für sich gewinnen und das schafft man nicht mit feindlichen Parolen.

Das allerwichtigste wäre aber vorrangig, ein Grundverständnis dessen zu schaffen, was die „Frauenbewegung“ eigentlich erreichen will und wollte: in meinen Augen bedeutet es nämlich, dass ich sowohl als Frau, als auch als Mann immer selbst die Wahl habe, wie ich mein Leben gestalte und dass mir weder Staat noch Familie oder Gesellschaft etwas vorschreiben dürfen. Feminismus bedeutet daher für mich nicht: alle Frauen müssen Vollzeit arbeiten, nachdem sie Kinder bekommen haben. Es bedeutet: eine Frau darf sich entscheiden, ob und wann sie nach der Geburt eines Kindes wieder in den Beruf einsteigt. Denn ein großes Problem in dieser Bewegung sehe ich nebst den gesetzlichen Nachteilen vor allem darin, dass Frauen permanent von Geschlechtsgenossinnen verurteilt werden: „Du willst Kinder? Aber was ist mit deiner Karriere?“ „Du willst keine Kinder? Was bist du denn für eine Frau?“ „Du gehst arbeiten, obwohl du Kinder hast? Du Rabenmutter!“ „Du arbeitest nicht, nur weil du Kinder hast? Du bist rückständig und konservativ!“. An allen Ecken und Enden wird geurteilt, hinter dem Rücken und direkt ins Gesicht. DAS. MUSS. AUFHÖREN.

Als Frau ist man permanent Objekt irgendwelcher Diskurse. Wir haben Essstörungen. Wir müssen schlank sein. Frauen leben gesünder als Männer. Frauen können den Spagat schaffen zwischen Familie und Kindern. Alleinerziehende Powermamis. Frauen ab 30 sind die interessanteren. Wie schafft frau es, ihn in sie verliebt zu machen? Zur Bikinifigur in 8 Wochen. Ich habe heute leider kein Foto für dich. Wie machst du ihn glücklich im Bett? – nur um überspitzt gesagt ein paar der gängigsten Themen(gruppen) zu nennen, die ständig um unsere Köpfe schwirrt. Die Frau ist in ihrer Rolle als Frau permanent mediale Thematik. Was sie sein darf, soll, will. Dabei suggerieren alle: sei du selbst, kümmere dich nicht, was andere sagen, aber bitte sei auch: schlank, sportlich, liebevoll, ehrgeizig, erfolgreich – ein Supermensch.

Ich wünsche mir von einem internationalen Frauentag, dass er darauf aufmerksam macht, mit der permanenten Aufmerksamkeit aufzuhören. Ich will mich nicht ununterbrochen hinterfragt sehen, nur weil ich mit einer Gebärmutter zur Welt gekommen bin. Manche Frauen wollen Kinder, andere nicht. Manche Frauen sind schlank, sportlich und erfolgreich, andere vielleicht nicht. Manche Frauen wollen Karriere machen, andere nicht! Lasst uns darüber reden, dass wir sein dürfen, wie wir sind. Dass wir Menschen sind, abseits unseres Geschlechts.

Lasst uns aber auch die Männer nicht vernachlässigen. Denn nur mit den 50% der männlichen Bevölkerung können wir es schaffen, unsere Ziele zu erreichen. Frauenbewegung bezieht immer auch die Männer ein. Lasst auch die Männer über Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprechen. Wo ist der Aufschrei, dass soviele Unternehmen einfach sagen dürfen: „Väterkarenz? Das ist hier nicht gern gesehen.“ Wo ist der Aufschrei über Hohn und Spott, den „Hausmänner“ über sich ergehen lassen müssen?

Ich wünsche mir einen Diskurs (ich mag dieses Wort), der beide Geschlechter miteinbezieht. Der uns alle als Menschen sieht mit Wünschen und Bedürfnissen, die abseits der äußerlichen und inneren Merkmale, mit denen wir geboren sind, gelebt werden können. Arbeitsteilung soll innerhalb einer Partnerschaft oder Familie ausgemacht werden, egal ob nun Männlein oder Weiblein bügelt und den Schraubenzieher schwingt. Ich wünsche mir ein Ende von „Frauen wollen dies, Männer tun jenes“, denn Rollenklischees können nur zu Grabe getragen werden, wenn Rollendenken aufhört.

Und zum Schluss, lasst uns daran denken, wie benachteiligt Frauen in anderen Regionen auf diesem Planeten sind. Lasst uns hier ein gutes Beispiel sein, wie es anders sein kann, darf, soll, vielleicht sogar irgendwann muss. Aber dafür müssen wir zusammenarbeiten. Lasst uns allen zeigen, dass wir alle zu allererst Menschen sind unabhängig von unserer Geschlechterschublade. Lasst uns allen Frauen davon erzählen, dass sie sich von keiner anderen Frau und von keinem anderen Mann vorschreiben lassen müssen soll, wie sie ihr Leben lebt, nur weil sie eine Frau ist. Lasst uns aber auch allen Männern erzählen, dass ihnen niemand vorzuschreiben hat, wie „stark, mutig und tapfer“ sie sein müssen.

Vielleicht sollte die Botschaft der „neuen Frauenbewegung“ einfach nur sein, dass jeder so sein darf, wie er oder sie auf die Welt gekommen ist. Dass niemand das Recht hat, einen zu verbiegen, weil er oder sie nicht in ein Rollenschema passt und dass rosa und blau endlich für Mädchen und Jungs gleichermaßen freigegeben ist.

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9 thoughts on “#frauenkram: 8. März: Mein Beitrag zum internationalen Frauentag

  1. Bee

    Schön, dass du das auch so siehst. Ich bin kein Freund vom Tag des whatever. Auch MUttertag, Valentinstag ich feiere so etwas nicht. Ich liebe meine Mutter 365 Tage im Jahr, meinen Mann auch. Und finde es komisch, wenn alle loslaufen und überteuerte Blumen kaufen. Ich lebe jeden Tag bewusst. Demografisch erfasst wird uns alles um die Ohren gehauen, was Frauen alles so machen, können oder auch nicht.

    Das Frauenbild hier in Deutschland hat sich in den letzten 25 schön verändert, finde ich. Es war vor 25 Jahren noch möglich einfach nur Mutter zu sein. Heute muss man arbeiten, fit sein, sich und die Familie bewusst ernähren und immer ganz entspannt tun, auch wenn man abends total erschöpft ist.

    Hier bei uns sind wir im Sinne der rechtlichen Gleichstellung von Frau und Mann doch recht weit. Wenn wir an Länder denken wie Indien, das wäre ein Land für Awareness. Nun ja…

    Hab einen schönen Tag, heute, morgen, einfach an jedem Tag 🙂

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    • Fräulein Freud

      liebe bee, mir geht es genauso. ich fühle mich meiner mutter gegenüber irgendwie am muttertag doch etwas verpflichtet, aber grade an diesem tag kommt dieses gekünstelte nicht wirklich von herzen, weil man sowas im grunde nicht brauchen sollte.
      ich sehe das wie du, nicht alles an diesem „neuen“ frauenbild ist großartig. wenn man nicht unbedingt powerkarrieremutti sein will, hat man sich ständig und überall rundherum zu rechtfertigen. auch wenn es uns, wie du sagst, rechtlich (im vergleich zu anderen) glücklicherweise sehr gut geht.

      auch für dich jeden tag einen schönen frauen-tag, weil wir nunmal 365 tage im jahr frauen sind 🙂

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  2. thepinupflatshare

    Hallo,
    danke für diesen schönen Post. Wir waren gestern auch am grübeln wie wir das alles finden sollen. Einerseits finde ich es schön, dass man so viele Geschichte von starken und besonderen Frauen lesen konnte und ich habe Teenie-Jungs gesehen die ihrer Mama bei uns im Einkaufszentrum Blumen gekauft haben. Aufmerksamkeit für das was auch alltägliche Frauen so jeden Tag leisten ist toll. Nur irgendwie ist es auch schade, dass es so einen Tag (wie du schon gesagt hast: genau wie Muttertag, Valentinstag etc.) braucht damit das wahrgenommen wird. Eigentlich sollte jeden Tag Frauentag sein und Black History Month. Was bringt mir ein Frauentag, wenn die anderen 363 Tage im Jahr wieder Typen in der Bar glauben das Recht zu haben mich zu belästigen, nur weil ich mit meinem roten Lippenstift angeblich nach ihrer Aufmerksamkeit schreie? Es bleibt zu hoffen, dass wir auf der ganzen Welt auf bessere Zeiten für Mädchen und Frauen, aber auch alle anderen unterdrückten und abgehängten Gruppen zulaufen.

    Liebe Grüße,
    Katha von der PinupFlatshare

    P.S.: Falls dich unsere Gedanken hierzu interessieren hier ein etwas älterer Post: https://wordpress.com/stats/post/93/thepinupflatshare.wordpress.com

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    • Fräulein Freud

      hallo katha, herzlich willkommen hier auf meinem blog und vielen lieben dank für deinen kommentar!
      das sehe ich genauso. es ist gut, wenn man versucht, mit so einem tag bewusstsein zu schaffen – aber dieses bewusstsein sollte nicht tags darauf in die tonne getreten werden. aber dafür müssen wohl wir frauen alle zusammen sorgen.
      den post würde ich gern lesen, aber über deinen link komme ich auf eine interne statistik-seite. kannst du vielleicht nochmal schauen, dass du mir den externen link schickst 🙂 ?
      alles liebe,
      christina

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  3. thepinupflatshare

    Hallo Christina,
    schade, dass man in Kommentaren nicht so easy einfach ein Wort markieren und den Link hinterlegen kann wie in einem Blogpost. Ich versuche das jetzt nochmal, ansonsten kannst du unsere Seite ja mal nach den Beiträgen „On unwanted attention“ und „Can’t touch this“ durchsuchen, letzterer ist allerdings nur auf Englisch da. https://thepinupflatshare.wordpress.com/2015/12/11/on-unwanted-attention/
    Immerhin bewirkt so ein Frauentag mal Aufmerksamkeit -und damit auch, dass wir deinen Blog gefunden haben.
    Liebe Grüße,
    Katha

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    • Fräulein Freud

      jetzt hat es funktioniert 🙂 ich komme gleich zum lesen!
      und ja, das stimmt!! und wenn jedes jahr ein wenig mehr aufmerksamkeit passiert, überschreitet das hoffentlich eines tages den „kritischen punkt“, an dem es sich von selber weiterverteilt.
      ich freu mich sehr, dass ihr mich gefunden habt!

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  4. gripseljagd

    Das Entenbild hat mich an ein Erlebnis mit diesen Vögeln in Östereich erinnert. An einem Bergsee hatten wir ein Pärchen getroffen. Die Ente fand uns irgendwie interessant und ist unserer Familie über die Wiese gefolgt. Der Erpel hat sich das angesehen war sichtlich genervt von seiner Ente. Aber es blieb ihm nichts übrig immer wenn der Abstand größer wurde musster er wieder aufschließen. Dann hat er gewartet, geschaut, die Ente weiter und nach einer Weile musste er wieder hinter her. Das ging eine ganze Weile so, war wie bei den Menschen, Frauchen denkt sich was aus und Männchen muss da durch. Kann man z.B. in Kaufhäusern beobachten. Schon nicht so einfach diese Beziehungen. Im BDSM Kontext heißt das topping from the bottom, letztlich bestimmt Sub was passiert.

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