#outdoorkram: Wenn dir die Welt zu klein wird, geh zu Fuß.

 

Diese Erkenntnis gewann ich, als ich im Sommer 2015, diesem extrem heißen Sommer, einen Tag spontan einen Tagesausflug ins Ötscherland unternahm.

Wir haben dieses ganz große Glück, dass unsere Welt klein geworden ist und jedes noch so ferne und exotische Ziel auf diesem Planeten nur einen Mausklick entfernt. Flug buchen und morgen sind wir dahin unterwegs. Auf Facebook, Instagram und Pinterest sehen wir ständig, wie gefühlt Bekannte von uns von den USA nach Thailand, von Australien nach Skandinavien und von Grönland in die Mongolei jetten. Alles ist möglich, alles ist faszinierend, es gibt soviel zu sehen, dass Gehalt und Urlaubstage eines Menschenlebens dafür nicht ausreichen. Also will es gut überlegt sein, womit wir unsere Freizeit verbringen, denn je mehr Flugstunden, umso mehr wow-Erlebnis. Größer, weiter, schneller, öfter wird zum Leitsatz des Reisens und wenn sich die Spirale dreht, wird man mitgerissen, dreht sich mit und bekommt oft nur noch schwer einen Fuß auf den Boden. Und doch beschloss ich, auszusteigen.

JA, fremde und exotische Orte sind großartig. Aber die Stempel in unserem Reisepass bestimmen nicht unseren Wert als Mensch. Und für den ökologischen Fußabdruck sind sie auch nicht unbedingt ein Gewinn.

Ich reise, also bin ich.

…scheint mir oft das Motto unserer Generation zu sein. Und ja, das mag stimmen. Reisen hat so viele Vorteile. Es erweitert den Horizont, es öffnet das Herz, es bestärkt und lässt wachsen, man lernt Fremdes kennen und das Zuhause zu schätzen. Man sollte reisen, ganz unbedingt. Aber eine Reise ist nicht nur dann eine Reise, wenn mindestens die Sprache fremd ist. Eine Reise ist auch dann eine Reise, wenn man vermeintlich bekannte Orte mit anderen Augen sieht. Wenn man sich Zeit nimmt, die kleinen Dinge zu entdecken. Es gibt soviel zu sehen. Die Vegetation in der Wiese, die kleinen versteckten und vergessenen Erinnerungen, die zwischen Häuserzeilen zu finden sind, Schriftzüge vergangener Zeiten, kulinarische Köstlichkeiten oder einfach nur ein wenig lichtverschmutzter Sternenhimmel.

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„Unsere“ Schätze sind oftmals nicht so populär, nur wenige dieser Orte erlangen entsprechende Bekanntheit wie das Elbsandsteingebirge oder Hallstatt. ZUM GLÜCK. Denn es gibt soviel Schönes zu entdecken und im Vergleich zum weithin bekannten Königssee, gehören uns viele dieser Dinge dann zwar nicht alleine, aber wir teilen sie zumindest nicht mit Busladungen von Rundreisetouristen. Viele dieser Orte muss man sich erarbeiten, es gibt oft nicht immer direkt einen Parkplatz davor und nicht überall haben wir WLAN. Dafür gehören sie für einen Moment ein kleines bisschen nur uns – und wir ihnen. Kein Gerangel um das beste Foto, keine hundert Hashtags, die uns schon wieder überholt haben. Und das macht die Welt für einen kurzen Moment wieder ein kleines bisschen echter.

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27 thoughts on “#outdoorkram: Wenn dir die Welt zu klein wird, geh zu Fuß.

  1. frauheldin

    Wie wunderbar, wie wahr 🙂 ❤

    In der heutigen Zeit ist das wohl wirklich eine der wichtigsten Erkenntnisse die man haben muss, dass man nicht 1000e Kilometer weit fort muss um es schön zu haben, wenn doch das vermeintliche Paradies manchmal vor der Haustür liegt!

    Klar ich verreise auch gerne an exotische und außergewöhnliche Orte, aber in den letzten Jahren habe ich für mich immer wieder festgestellt, dass es auch richtig großartige Orte gibt, für die man nicht in ein Flugzeug steigen muss. 🙂

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    • Fräulein Freud

      dankeschön fürs lesen und den lieben kommentar ❤
      ich finde das übrigens auch wirklich wichtig. als müsste alles immer größer und weiter und absurder werden, als könnten wir erst in frieden gehen, wenn wir zumindest den mond besucht haben – aber den park um die ecke kennt man nicht (um es überspitzt zu formulieren). es gibt soviel tolles zu sehen, unser kontinent birgt soviele schätze, die es zu erkunden gibt und auf jeden, den ich kennenlernen darf, freue ich mich auch schon sehr!

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  2. Anja

    Oh wie wahr! Ganz tolle Slideshow und ein so wahrer Artikel! Wir reisen bisher noch nicht so weit weg, wir erkunden aber ganz viel „um uns herum“ und haben das Geocaching für uns entdeckt und auch da gibt es sooo tolle Orte und ganz viel Ruhe zu entdecken ❤

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    • Fräulein Freud

      geocaching ist ganz toll, das haben wir eine weile recht akribisch betrieben, irgendwie ist es in letzter zeit aber ein wenig zu sehr eingeschlafen. jedes mal denke ich mir: das sollte man wieder aufleben lassen 🙂
      danke für dein kompliment, es freut mich sehr, dass es dir gefallen hat!

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  3. Taija

    So schön! Ich liebe entschleunigtes Reisen. also am Besten per Fuß. Ist man doch viel achtsamer und angemessener unterwegs und kann Entfernungen richtig spüren. Der Alltag ist doch ohnehin schon hektisch genug und das höher, schneller, weiter, individueller ist nicht mein Lebensziel…Man muss sich nur umsehen, das zeigt Dein Beitrag so wunderbar. Liebe Grüße aus München, Taija

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    • Fräulein Freud

      liebe taija, das denke ich auch. obwohl es manchmal auch total gut tut, wirklich geografisch weit weg zu sein, in einer ganz anderen kultur. aber nicht immer, denn „weit“ weg sein kann man acuh geistig, nur ein paar kilometer von zuhause entfernt. wenn man sich reiseziele mit den beinen erarbeitet, sind sie einfach ganz anders als mit dem flugzeug.

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  4. Jacqueline

    Liebe Tina

    Das hast Du so schön und ehrlich geschrieben!

    Und ich gebe Dir so recht!!! Man vergisst so schnell, was man vielleicht vor der Tür hat und sollte auch das geniessen!

    Wir gehen sehr sehr gerne wandern und erkunden so unsere Umgebung und die Natur und mit Kids ein Traum! ;oD

    Hab ein schönes Wochenende!

    xoxo
    Jacqueline

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    • Fräulein Freud

      das finde ich richtig toll – grad für kinder ist es glaube ich sehr wichtig, ein bewusstsein zu bekommen, für die schätze, die in ihrer heimat warten. und wir können uns wirklich glücklich schätzen da, wo wir wohnen, denn (mittel)europa hat einfach wahnsinnig viel zu bieten.
      danke für deinen kommentar und deine lieben worte!

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  5. Madre Mia (@madremiablog)

    Das ist ein wahnsinnig toller Artikel. Mir gefällt Dein Schreibstiel sehr und du hast wirklich recht mit dem was du sagst. Mit meinem Hund erkunde ich so viele Orte und suche immer neue Wanderwege. Manchmal reicht es auch nur ein bisschen weg zu radeln oder so um neue Dinge zu sehen.

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    • Fräulein Freud

      vielen dank liebe madre mia, das freut mich sehr zu hören und ist wirklich ein schönes kompliment!
      ich weiß genau was du meinst. es gibt soviel unbekanntes, das einfach schön ist, man muss nur die augen dafür offen haben – oder das herz 🙂

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  6. Ocean Hippie

    Hey Christina,

    ich kann dir nur absolut zustimmen.
    Reisen ist schon etwas wundervolles, aber viele reisen eben auf Tempo und ganz nach dem Motto “Mehr gleich mehr“
    Ich selbst habe vor auf dem Landweg einmal um die Welt zu reisen (oder zumindest ohne Flugzeug) und bin mal gespannt, da ich eher der gemütliche Reisetyp bin und so mehr Eindrücke und Momente sammeln kann.
    Kenne auch von Bekannten, dass Erlebtes miteinander verschwimmt, wenn man “schnell“ und viel reist. So das man eben nicht mehr alle Orte auseinander halten kann in der Erinnerung.. Mir wäre das zu Schade, also geh ich es lieber ziiiiiemlich langsam an.

    Liebste Grüße
    Lu

    https://oceanhippieblog.wordpress.com/

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    • Fräulein Freud

      oh das ist ja ein tolles vorhaben! finde ich wirklich super. und das mit dem verschwimmen vom erlebten ist mir auch schon passiert. ich wusste dann gar nicht mehr – war das auf dieser reise oder jener, in diesem land oder jenem? da fragt man sich dann schon, warum macht man es. ein bisschen entschleunigung kann da durchaus helfen und gut tun.

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  7. selda eigler

    Liebe Tina,
    schöne Worte. Ich selber reise sehr gerne in exotische Länder. Aber ich beneide jeden, insbesondere eine Freundin, der die Heimat kennt und erkundet. Ich staune jedesmal, wenn ich Berichte über das Elbsandsteingebirge, Mecklenburgische Seenplatte, usw lese. Wie schön das alles ist. Leider habe ich es noch nicht in die Tat umgesetzt, diese Schätze hautnah zu bewundern. Dein Bericht macht mich sehr nachdenklich darüber. Danke dafür.
    Liebe Grüße, Selda.

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  8. Miss Jones

    Das tolle dabei ist doch, dass die Schönheit gleichmäßig über die Welt verteilt ist, und doch sie sie überall anders aus. Es lohnt sich das zu geniessen. Und der Wert einer Sache ist immer Ansichtssache. Eine alltägliche Tonscherbe kann uns manchmal mehr über die Vergangenheit sagen, als ein Goldschatz.
    Danke für den schönen Text
    Grüße
    Miss Jones

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