#frauenkram: ein Vorschlag

Jeder sollte dort ein guter Mensch sein, wo er es sein kann.

Unlängst las ich ein Zitat, das die Facebook-Seite des Zeitmagazins veröffentlicht hatte, das mich sehr nachdenklich gemacht hat.

 Ich gebe an dieser Stelle zu, dass ich den zugehörigen Artikel nicht gelesen habe. Allerdings berührten mich diese Worte tief, denn die Essenz daraus ist etwas, das auch mich häufig beschäftigt. Menschen urteilen – ja, das liegt in unserer Natur, weil wir es müssen, um in der Welt zurechtzukommen. Wir orientieren uns an einem gewissen Schubladendenken, wir schaffen Heuristiken. Das ist nicht immer schön und führt mit Sicherheit auch zu Problemen – ist aber dennoch eine gewisse Überlebensstrategie, die wichtiger wird, je mehr der Informationsoverload über uns hereinbricht. Wir mussten lernen, in kürzester Zeit Entscheidungen zu treffen, wem oder was unsere Aufmerksamkeit zu widmen ist, wir müssen im Berufsalltag Menschen sehr oft sehr schnell einordnen um auf ein gewisses Kommunikationsschema zurückzugreifen, wir müssen im Straßenverkehr in Sekundenbruchteilen richtig reagieren, um Unfälle zu vermeiden, wir sind es gewöhnt, sehr schnell Entscheidungen zu treffen. Doch diese Entscheidung, die wir in vielen Alltagssituationen benötigen, um unser tägliches Leben zu bewältigen, schwappen seit Social Media gefühlt noch mehr als früher auch auf ganz andere Bereiche über.

Man ist permanent Kritik ausgesetzt und trifft ununterbrochen auf Menschen, von denen man beurteilt wird. Das mag vielleicht nicht ungewöhnlich und auch früher schon passiert sein. Neu ist, dass wir uns heute sehr leicht in Gruppen zusammenfinden und andere unser Missfallen deutlich und öffentlich spüren lassen.

Ernährung

…ist beispielsweise einer dieser Bereiche, in denen dieses Thema groß und heiß ist. Dass der Lebensmittelverbrauch (und deren Herstellung) in der ersten Welt den Planeten schädigt, ist vermutlich kein allzu großes Geheimnis mehr. Dass es wichtig ist, dafür ein Bewusstsein zu schaffen, weniger Lebensmittel wegzuwerfen, sich bewusster zu ernähren (auch aus eigenem gesundheitlichen Interesse) ist nicht mehr allzu sehr umstritten. Dennoch ist die eigenen Ernährung immer eine persönliche Entscheidung und jeder, der sich dafür entscheidet, einen kleinen Beitrag zu leisten, tut damit etwas Besseres, als gar nichts.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die sich aus ethischen Gründen stark einschränken und dafür angegriffen werden, weil Ersatzprodukte u.Ä. chemisch und umweltschädigend sind oder weil sie Kleidung tragen, die vielleicht nicht fair hergestellt wurde, sondern aus einer handelsüblichen Kette stammt.

Dasselbe kann man auch unter Eltern und Müttern beobachten.

Erziehung

Ständig wird getuschelt, hinterrücks gewhatsapped, abfällig geschaut und auf Fragen herablassend bis aggressiv geantwortet. Wie, dein Kind bekommt Pizza? Rabenmutter! Du lässt dein Kind alleine nach draußen gehen und mit dem Nachbarn spielen? Vernachlässigung!

Und das sind nur zwei Beispiele, von denen es Unmengen gibt. Arbeit. Sport. Politik.

Warum tut man das? Warum machen sich Menschen untereinander das Leben so schwer, anstatt sich gegenseitig zu unterstützen, zu bestärken, aber auch mal über Fehler hinwegzusehen?

Ich wünsche mir so sehr eine Welt, in der das anders ist. Lasst uns doch alle unser Bestes geben und genau da ein besserer Mensch zu sein, wo wir es eben können. Wir sollten uns nicht gegenseitig heruntermachen, weil wir nicht ALLES richtig machen. Wir sollten einander auf die Schulter klopfen, weil wir ETWAS richtig machen.

Ich gebe mein Bestes, dort, wo es für mich möglich ist, die richtigen Dinge zu tun und die Dinge richtig zu tun. Ich trenne Müll, ich drehe das Wasser beim Zähneputzen ab. Ich esse wesentlich weniger Fleisch, ich kaufe Papier- statt Plastiksackerl, ich fahre in Wien nicht mit dem Auto. Das ist nicht viel, aber es ist ein Anfang und ich strebe danach, mehr davon umzusetzen, wenn es sich in mein Leben integrieren lässt. Andere tun wesentlich mehr – und das finde ich super. Wieder andere weniger und auch das ist okay.

Frieden auf der Welt beginnt immer im Kleinen, daher gibt es für mich letzten Endes nur ein Motto:

Leben und leben lassen!

…denn nur ohne Aggressionspotenzial gibt es eine Gesprächsbasis. Nur ohne Vorwürfe kann Interesse wachsen.

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20 thoughts on “#frauenkram: ein Vorschlag

  1. frauheldin

    Wiedereinmal aufs neue schaffst du es mir so sehr aus Herz und Seele zu schreiben und ein Thema das die Welt umtreibt kompakt auf den Punkt zu bringen.

    Leben und leben lassen ist wohl eines der besten Mottos, leider beherzigen das nicht mehr allzu viele. (Vor allem immer dann wenn es eben um andere geht…)

    Ich denke gerade was zum Beispiel einen nachhaltigen Lebensstil angeht ist ein bisschen immer besser als gar nichts. Man kann nunmal einfach nicht in jeder Situation das allerperfekteste sein. Aber ich finde schon allein wenn man bemüht ist und im kleinen anfängt, dann ist das doch schon ziemlich toll.

    Ach meine Liebe, dieser Beitrag ist einfach wunderbar.

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  2. Natalie

    Ein toller Spruch und ein toller Beitrag von Dir. Den Spruch werde ich mir sicherlich merken und von Zeit zu Zeit anwenden. 😉 Vielen Dank für die Inspiration und liebe Grüße sagt Natalie von outdoorfamilienglueck.wordpress.com

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  3. Lieblingsleseplatz

    Ein toller Beitrag zu einem tollen Zitat. So versuche ich meinen Kindern auch immer ein Vorbild zu sein. Sie fragen oft, earum ich immer in der Schule helfe, Elternbeirat bin, mich ehrenamtlich engagiere … und ich antworte ganz oft: „Weil ich es kann.“
    Jeder sollte sich nach seinen Möglichkeiten in die Gemeinschaft einbringen. Dann macht es auch gar nichts wenn ich z.B. auch mal keine Lust habe ökologisch nachhaltig einzukaufen oder immer nett zu sein … die gesunde Mischung machts.

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    • Fräulein Freud

      hallo liebe verena, vielen dank für deinen kommentar!
      ich finde es toll, dass du das so vorlebst, das ist bestimmt der beste weg, ihnen genau das mitzugeben. man sollte halt aber auch nicht ganz vergessen, dass wir auch leben dürfen und genießen dürfen und eben – nicht alles richtig machen müssen. wenn jeder ein bisschen macht, dann ist in summe schon viel passiert!

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  4. Laoghaire

    Das große Grundproblem der Menschheit: das Urteilen. Urteilsfreiheit setzt einen gesunden Umgang mit den eigenen Emotionen voraus. Das wiederum ist ein Prozess. Ich hoffe sehr, dass wir uns gesellschaftlich auf diesem Weg befinden. Aktuelle Ereignisse scheinen darauf hinzudeuten. Aber auch da wird es nicht jeder schaffen und das ist in Ordnungen.
    In der TT gab es immer den Satz ‚Du (und jeder andere auch) machst es zu jedem Zeitpunkt so gut, wie es Dir möglich ist‘. Das geht in dieselbe Richtung.

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  5. Cynthia

    Leben und leben lassen – so wahr. Ich versuche z. B. nicht über andere zu urteilen, Menschen, die warum auch immer, anders aussehen, anders leben und Sachen machen, die ich nicht versteh, nicht zu verurteilen und mich sozial zu engagieren. Aber am Ende wäre so vieles einfacher, wenn jeder vor seiner eigenen Tür kehrt. LG 🙂

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    • Fräulein Freud

      oh ja, du hast so recht! oft glaube ich kommt extremes urteilen auch aus einer unsicherheit heraus, aber das macht es auch nicht besser. ich glaube auch, dass es praktisch für jeden schwierig ist, andere menschen sein zu lassen, denn natürlich gehen wir unseren weg mit einer gewissen überzeugung, dass er der richtige ist. aber man sollte es einfach versuchen, so gut es geht und sich bewusst machen, dass es selten nur eine wahrheit gibt..

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  6. LinnisLeben

    Hallöhen,
    das hast du wirklich toll geschrieben! Ich stimme dir ja voll und ganz zu. Ehrlich gesagt, verstehe ich gar nicht, warum so viele Menschen immer viele Reste haben. Ich koche immer so, dass wir satt werden, aber nichts weggeschmissen werden muss. Bei manchen Sachen kann man auch abschätzen, wie viel man essen will! Ich frage meinen Freund vorher und dann wird es auch gegessen 🙂

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

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  7. Barbara

    Lustigerweise wollte ich auch einen Beitrag dazu schreiben, aber deiner ist einfach super! Wenn es okay für dich ist, würde ich ihn gerne aufgreifen, wenn ich dann irgendwann meinen schreibe. 😀 (Natürlich mit Pingback, versteht sich ja von selbst.)

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