#frauenkram: Es muss nicht immer Body Positivity sein.

Eine etwas provokante Überschrift, das gebe ich zu. Denn eigentlich leben wir in einer Zeit, die Body Positivity nicht kennt und die Bewegung bekommt erst seit einiger Zeit richtige Dynamik und nun relativiere ich sie hier? Das ganze hat einen einfachen Grund: nicht immer klappt es gleich mit der Selbstliebe. Damit man nicht daran verzweifelt und sofort wieder in alte Muster zurückfällt, gibt es einen Zwischenschritt. Darüber hab ich auf der Seite von Kathrin alias Marshmallow Mädchen gelesen und ich möchte das gerne mit euch teilen.

Kathrin schreibt in ihrem wunderbaren Text, den ihr hier im Ganzen lesen könnt, folgendes:

[…] Sich vorzunehmen, ab jetzt seinen Körper bedingungslos zu lieben, ist unrealistisch. Vielleicht erscheint es dir gerade auch vollkommen unmöglich, deinen Körper überhaupt lieben zu können. Aber Body Positivity hat eine Schwester: Body Neutrality. Dabei geht es gerade nicht darum, dein Aussehen die ganze Zeit zu feiern und dich und deine Selbstliebe zu präsentieren. Body Neutrality meint, eine neutrale Einstellung zum eigenen Körper zu finden. Wenn du deinen Körper also nicht lieben kannst, dann akzeptiere ihn.

Weiters erwähnt sie, dass das vielleicht gar keine so schlechte Sache ist in einer Zeit, in der sich ohnehin alles um das Körperliche dreht. Ich finde das einen sehr, sehr guten und interessanten Ansatz. Denn ich halte es für schwierig, nach einer lebenslangen komplizierten und schwierigen, vielleicht sogar hasserfüllten Beziehung seinem Körper gegenüber, die viele von uns führen, von heute auf morgen alles durch die rosarote Brille zu sehen. Daher ist das Konzept der Body Neutrality eines, dem ich viel abgewinnen kann. Es ist ein Körper, so what. Er bringt mich von A nach B, er bietet meinem Ich Platz. Wunderbar. Und wenn mir nichts weh tut und ich gesund bin, dann kann ich ihn doch auch einfach mal ignorieren, anstatt mich die ganze Zeit damit zu beschäftigen, wie er aussieht (überspitzt gesagt).

Ich denke, dass das ein Ziel sein kann, um wieder Ressourcen freizuspielen, mit denen man Lebensfreude und positive Gefühle generieren kann. Seinen Körper zu hassen braucht erfahrungsgemäß Zeit und Energie. Man denkt daran und darüber nach und man spricht darüber. Es ist sozusagen omnipräsent. Wenn ich dieses Thema aber aus meiner Agenda streiche, dann habe ich auf einmal Platz für etwas anderes. Ich kann stattdessen ein Buch lesen, ich kann mich über schöne Erinnerungen unterhalten oder mich auf etwas freuen, das ich ohne diesen Körper nicht machen könnte – obwohl er nicht perfekt ist. Das klingt doch verlockend!

Sie bringt noch einen zweiten Punkt ins Spiel. Die Frage nach dem Warum. Warum willst du deinen Körper denn eigentlich lieben? Klingt im ersten Moment irgendwie polemisch. Kann ja nur ungesund sein, etwas so Repräsentatives an sich selbst zu hassen. Aber beim zweiten Hinschauen macht die Frage durchaus Sinn.

Möchtest du glücklicher und zufriedener sein und weniger Selbsthass spüren? Möchtest du seltener traurig sein? Möchtest du wieder Freude am Leben haben, schöne Kleider tragen, ausgehen?

Darin findet sich vielleicht auch ein Ansatzpunkt, den man von der anderen Seite angehen kann. Wenn man weiß, was das Ziel dieser Sache ist, dann kann man sich auf das Ziel konzentrieren und auch noch weitere Wege finden, die einen dem Ziel erstmal näher bringen und die das Körpergefühl dann auf Umwegen verbessern.

Mir wurde einmal eine wichtige Frage gestellt, als ich vor Frust und Schmerz darüber, dass ich aufgrund von Rückenproblemen einige Kilos zugelegt hatte, über mein negatives Körpergefühl gejammert habe: „Hast du diese Einstellung zu dir erst, seit du zugenommen hast?“ „Nein.“ „Denkst du, dass sie weggeht, wenn du abnimmst?“

Advertisements

12 Antworten auf „#frauenkram: Es muss nicht immer Body Positivity sein.

  1. Jule

    Der Irrglaube schlechthin, dass alles gut ist, vor allem hinsichtlich der Beziehung zum eigenen Körper, wenn man erstmal 5 Kilo leichter ist. Oder 10. Egal, wie viel.
    Ich finde den Ansatz der Body Neutrality sehr interessant. Mich begleitet seit einiger Zeit ein spannender Satz: Worauf ich meine Aufmerksamkeit lenke, das verstärke ich. Gilt auch für die Beziehung zum eigenen Körper.

    Gefällt mir

    • Fräulein Freud

      liebe jule, erstmal entschuldige die so unglaublich verspätete antwort und dann gleich auch vielen dank für deinen kommentar. ich habe dieselbe erfahrung gemacht und sehe das genauso. der satz ist WIRKLICH interessant. ich denke da auch an ein leid von julia engelmann, das mich grade begleitet „weißt du, Dinge werden wahr wenn man sie oft genug sagt“.

      Gefällt mir

  2. Sabiene

    Akzeptanz ist mal der erste Schritt zur Freundschaft und vielleicht zur Liebe.
    Letztendlich ist das eine (das positive Denken) genauso verkrampft, wie das Gegenteil (das negative Denken)
    Liebe Grüße Sabienes

    Gefällt mir

  3. nossy

    Body Positivity war irgendwie noch nie so meins. Es wirkt auf mich einfach zu extrem. Mein Körper und ich hatten schon schwierige Phasen im Leben, aber irgendwie haben wir diese Zeiten überstanden. Heute stört mich vieles an meinem Körper nicht mehr so wie früher… weil ich eben auch nicht mehr „körperlich“ auffallen will/muss. Ich akzeptiere ihn wie er ist und freue mich über den einen und anderen hübsch dekorierten Leberfleck.
    Letzendlich kommt es nur darauf an, was ich im Kopf und im Herzen habe.
    Wobei… für den Fall einer Apokalypse wäre etwas körperliche Fitness schon hilfreich. 😉
    nossy

    Gefällt mir

    • Fräulein Freud

      ich kenne diese schwierigen phasen sehr gut und ich glaube ich weiß gut, wie es dir damit geht. es ist auf jeden fall ein guter schritt den körper auch als funktionales etwas zu akzeoptieren, denn das ist glaube ich auch aus biologischer sicht sehr viel wichtiger als die optik. trotzdem ist es gut und schön für das seelenheil, wenn man sich auch selbst mal durch die rosarote brille sieht. aufgrund seiner talente und eigenschaften (thema des anderen posts, hihi), aber durchaus auch, weil man attraktive seiten an sich selbst wahrnehmen kann.

      Gefällt mir

  4. sileas

    Wenn ich als schlanke, zierliche Person mir ein „na du brauchst reden“ anhören muss, nervt das auch irgendwann einmal. Ich behaupte auch meinem Körper eher neutral gegenüberzustehen und mit fortschreitendem Alter ist mir körperliche Fitness wichtiger als Kilos zu zählen…

    Gefällt mir

    • Fräulein Freud

      ja, das kann ich mir gut vorstellen. es ist gleichermaßen ungerecht, einem anderen menschen seine wahrnehmungen abzusprechen, nur weil derjenige aus eigener sicht dieses „problem“ nicht hat.
      mir geht es mittlerweile auch so, dass das fit sein wichtiger ist und ich glaube auch, dass es gut wäre, wenn viel mehr frauen zu dieser erkenntnis kämen. aber positive fitness schließt dennoch auch ein gewisses positives körpergefühl mit ein.

      Gefällt mir

  5. Barbara

    Ich finde den Körper akzeptieren einen sehr wichtigen Schritt. Ich hasse meinen Körper seit ich zugenommen habe, nein… eigentlich schon vorher, seit ich das Gefühl vermittelt bekommen habe, nicht dazu zu passen. Immer habe ich das eine Ziel angestrebt: Wenn ich schlanker bin, dann werde ich mich wieder mögen. Dann kann ich stolz auf mich sein. Und so weiter und so fort…
    Ich weiß nicht mehr, wer mir die Frage gestellt hat oder wo ich sie aufgeschnappt habe, aber im Endeffekt ging es darum ob ich denn meinen Körper mehr lieben würde, wenn ich mein Wunschgewicht hätte. Ob ich dann wirklich einfach alle schlechten Gefühle abstreifen könnte. Und das hat mich irgendwie ins Stocken gebracht. Mittlerweile versuche ich meinen Körper zu akzeptieren, das heißt nicht, dass er so bleiben soll, aber ich muss mir auch nicht immer vorwerfen, dass es so ist, wie es ist.
    Ich habe zu mir, vor dem Spiegel, gesagt: „Ja du bist dick, das ist jetzt so und das kannst du nicht von heute auf morgen ändern. Aber du tust etwas dafür, dass es dir psychisch und physisch besser geht und gehen wird.“ Und das hat ungemein geholfen und hilft auch immer noch. Manchmal mehr und manchmal weniger. Du verstehst schon was ich meine oder?

    Vielen Dank jedenfalls für diesen tollen Beitrag und auch den Link zur anderen Seite, den gesamten Beitrag möchte ich mir auch noch durchlesen.

    Falls wir uns nicht mehr lesen:
    Schöne Weihnachten meine Liebe! ♥
    Barbara

    Gefällt mir

    • Fräulein Freud

      liebe barbara, ich verstehe so gut was du meinst, weil ich genau dasselbe erlebt habe. es ist ganz unglaublich, wieviel thema das körpergewicht im leben so vieler frauen ist, wie sehr es sie bestimmt.
      meine therapeutin hat mir übrigens eine sehr ähnliche frage gestellt, die mir sehr geholfen hat, das ganze etwas gelassener zu sehen. es ist glaube ich einfach wahnsinnig wichtig, mit diesem thema bewusst umzugehen und sich bewusst damit auseinanderzusetzen – und das tust du!

      Gefällt mir

  6. Kathrin

    Ach, wie wunderbar! Ganz unverhofft bin ich über deine Besprechung meines Artikels gestolpert. Ich freue mich sehr – dass du mich bemerkt hast und dass dich das Thema interessiert! Ich bin sehr dankbar, dass du dir so viel Zeit genommen hast, meinen Artikel „auseinanderzunehmen“ und dir deine eigenen Gedanken dazu zu machen!
    Body Neutrality ist äußerst spannend. Ich glaube, viele praktizieren so ein Zwischending aus Neutrality und Positivity. Ich renne auch nicht den ganzen Tag rum und denke nur an meinen tollen Körper – ich habe ihn akzeptiert und bin mit ihm im Reinen. Und manchmal stehe ich vor dem Spiegel und denke: Heute siehst du echt toll aus.
    Schlankheit wird mit so vielen positiven Attributen besetzt, sodass wir schlank mit glücklich, selbstbewusst, erfolgreich etc. gleichsetzen. Dabei sind das vollkommen unterschiedliche Baustellen. Wie du so richtig schreibst: Wer nicht mit sich zufrieden ist, wie er jetzt ist, der wird auch nicht zufrieden sein, wenn er schlank ist. Zufriedenheit ist nämlich hier die Baustelle und nicht Abnehmen.
    Ich hoffe, dass wir diese Botschaft weiterhin in die Welt hinausschreien und sie auf viele hungrige Ohren stößt! ♥

    Gefällt mir

    • Fräulein Freud

      liebe kathrin, ich freu mich so sehr, dass du auch bei mir vorbeigeschaut hast, denn dein blog hat vieles hier angestoßen und auch nochmal eine neue richtung gegeben.
      das, was du über die baustellen sagst, ist denke ich wirklich der kern des ganzen. die medien gaukeln den frauen vor, dass ein schlanker und trainierter körper (der ja fast immer NOCH schlanker und NOCH trainierter sein kann) alle probleme löst und was man lange genug und oft genug hört, glaubt man wohl auch irgenwann…

      ich sehe aber im moment wirklich eine bewegung in den sozialen netzwerken, die für mich so früher noch nie spürbar war. ein trend einer gewissen gruppe, die sich mehr und mehr gegen diese doktrin des perfekten weiblichen körpers oder dem hinterherhecheln des ideals auflehnt. vielleicht schwappt es ja irgendwann auf die breite masse über!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.